Damit ich mich nicht so allein fühle, werde ich hier den Plan für die Zukunft dokumentieren:
Lee und ich machen Abi und gehen dann nach Berlin, wo wir eine medizinische Ausbildung machen.
Wir ziehen in eine WG mit zwei unglaublich tollen Kerlen, die unsere besten Freunde sind.
Unsere Wohnung wird eine wunderschöne Altbauwohnung in Berlin Kreuzberg sein und sie wird große Flügeltüren haben und hohe Decken und knarzende Dielen.
Es wird eine winzige schmockige Küche mit Schachbrettfliesen geben, die wir aber kaum benutzen, weil wir alle vier zu faul sind und immer Essen bestellen.
Das Bad wird ebenfalls winzig sein.
Mit einer gequetschten Badewanne, ohne Dusche. Auch da Schachbrettfliesen.
Im Wohnzimmer sind Bücherregale, vollgestopft mit tausenden von Büchern.
Ein Schallplattenspieler und ein alter Fernseher, den man ab und zu schlagen muss, weil er einen Wackelkontakt hat.
Wir werden eine WG-Lieblingsserie haben, von der wir immer wieder nächtelang ganze Staffeln gucken. Wir werden zwei Schlafzimmer haben. Das eine Teilen sich die Jungs, das andere wir.
Und ab und zu tauschen Lee oder ich mit einem unserer unglaublich tollen Mitbewohner... nun ja.
Wir werden einen winzigen 2 qm^2 Balkon haben mit klapprigen Stühlen, Bierkisten und überquellenden Aschenbechern.
Wir werden ein abgewetztes Ledersofa haben.
Und zwei Katzen. Einen schwarzen Kater und ein weißes Kätzchen.
Wenn Lee und ich die Ausbildung beendet haben, macht sie einen Lehrgang zur Piercerin und ich zur Tätowiererin.
Dann bauen wir den Skaterladen der Jungs aus, der direkt unter unserer Wohnung ist eröffnen unser eigenes Studio.
Es wir unglaublich gemütlich und überall werden Sachen von Lee´s und meiner Weltreise rumstehen/liegen/hängen.
Es wird gemütliche Sessel und Sofas geben und es wird entspannte Musik laufen und zum Geburtstag schenken wir uns gegenseitig Tattoos und Piercings.
Ungefähr einmal im Monat gehen wir einkaufen und kaufen dann nur Sachen auf die wir in dem Moment unglaublichen Schmacht haben, weil wir ewig das selbe Fastfood gegessen haben.
Toast, Nutella, Eis.
Unser Kühlschrank ist nie wirklich gefüllt. Das einzige, was immer da ist, sind Bier- und Coladosen in Massen.
Wenn unsere Eltern zu besuch kommen, können wir ihnen nur Kaffee anbieten und kalte Pizza vom Vortag und sie werden denken, dass wir total verwahrlosen, aber wir werden unser Leben lieben.
Wir entscheiden selbst, wann wir unser Studio aufmachen.
Das heißt morgens können wir lange rumgammeln und fernsehen.
Wir werden schwarze Gummihandschuhe für die Arbeit haben.
Und abends gehen wir in unseren Stammclub und treffen unsere Freunde,
wenn wir nicht gerade bei unseren Kerlen sind oder das Staffelfinale unserer Lieblingsserie gucken.
Ein Weihnachten werden wir nicht zu unseren Eltern fahren und alles wird schief gehen. Unser Weihnachtsbaum wird entweder total kahl oder aus Plastik sein.
Es wird irgendetwas merkwürdiges daran hängen.
Eine Socke vielleicht.
Oder Christbaumschmuck mit halb nackten Nikoläusinnen.
Einer wird sich erbarmen zu kochen, aber es wird total widerlich werden und am Ende bestellen wir doch wieder etwas. Und wir schenken uns gegenseitig selbstgestrickte Socken und Mützen.
Der Duschvorhang wird übrigens mit Flamingos bedruckt sein.
Und der winzige Balkon wird auf den schäbigen Innenhof gehen, von wo aus man in die anderen Wohnungen sehen kann.
Ich werde dann ein Buch schreiben.
Über unsere Weltreise, die ich nicht hier aufgeschrieben habe, weil es zu viel wäre.
Und über unser Leben.
Weil wir einfach Leben werden.
Geld stinkt.
Ich will keine Kinder.
In dieser Gesellschaft will ich meine Kinder nicht großziehen müssen.
Ich will spätestens mit vierzig sterben.
Ich will nicht alt sein.







